Bürgerinitiative

Weickartshainer Gegenwind

Offener Brief des Rettungsschirm Natura Laubach in der Heimatzeitung vom 22.08.2013

 

Entvölkert den Vogelsberg!

Eine subjektive Stellungnahme zum geplanten Windpark Grünberg Laubach und eine leicht polemische Vision

Natürlich begrüße ich die „Energiewende“, ich bin ohne „Wenn und Aber“ für regenerative Energie und bedingungslos für die Nutzung der Windkraft, Kernenergie und Kohlekraftwerke will ich nicht!

Während ich dies schreibe, fällt mein Blick aus dem Fenster meines Arbeitszimmers, gleitet über den nahe gelegenen Wald und durch eine Talsenke Richtung Lauter schaue ich über die Wetterau und sehe in der Ferne die Ausläufer des Taunus. Ein traumhafter Ausblick, der schon in vielen angespannten Situationen meinen Adrenalinspiegel wieder auf ein erträgliches Maß zurückbringen konnte. Und genau in dieser Sichtachse sollen dann entsprechend der Planung vier 200 m hohe Windkraftanlagen stehen? Will ich das?
Da fällt mir noch ein, dass ich vor drei Jahren in den Niederlanden das unfreiwillige „Vergnügen“ hatte in der Nähe von mehreren Windkraftanlagen annähernd sechs Stunden auf eine Fähre warten zu müssen. Nach relativ kurzer Zeit verstärkte sich mein Ohrensausen und hielt einige Tage an, ich verspürte ein leichtes Schwindelgefühl und Gleichgewichtsstörungen. Damals führte ich es auf die für mich unangenehme Situation des Wartens unter Zeitdruck zurück, von Infraschall hatte ich zu dieser Zeit noch nie etwas gehört.

Heute sehe ich das etwas differenzierter, die Windräder machen schon einen ganz schönen Lärm und auch wenn ich Infraschall nicht bewusst wahrnehmen kann, kann ich doch nicht ausschließen, dass er bestimmte Einwirkungen auf meinen Organismus mit sich bringt. Radioaktivität nehme ich auch nicht wahr und ich erinnere mich noch recht gut daran, dass uns die Kernenergie als saubere, sichere und in die Zukunft gerichtete Energiequelle „verkauft“ wurde. Ich bin mir sicher, ein solcher Vergleich „hinkt gewaltig“, doch mir bleibt ein gewisses Unbehagen.

Windkraftanlagen vor meinem Fenster, ohne „Wenn und Aber“ und bedingungslos“? Nein, die will ich hier nicht haben, da bin ich mal ganz egoistisch!
Dann denke ich an den durchlöcherten Wald, die doch großräumige und langfristige Zerstörung einer noch weitgehend intakten Natursituation mit unabsehbaren Folgen für die heimische Flora und Fauna. Mir fallen noch zahlreiche Argumente ein, warum ich die Giganten nicht vor meinem Fenster stehen haben möchte, aber damit würde ich den Rahmen eines Leserbriefes sprengen.

Wenn nicht vor meinem Fenster, vor wessen Fenster stehen sie denn dann - wälze ich nicht mein Problem auf jemand anderen ab?

Benötigen wir denn so viele Windräder? Kürzlich habe ich gelesen, dass zahlreiche Windkraft-anlagen vollkommen ineffizient arbeiten, die Windstärken nicht ausreichend und zu schwankend seien, die Mühlen teilweise abgeschaltet werden müssen und die erzeugte Energie nicht gespeichert und zweckbestimmt verwendet werden kann.
Wozu dann diese Energiewendenhysterie, wenn doch so entscheidende Fragen noch offen sind?

Angenommen, es ergeben sich in absehbarer Zeit Antworten und Lösungen werden entwickelt, der Energiebedarf kann zum größten Teil sauber durch Windkraft gedeckt werden, dann wird der Bau neuer und noch größerer Windräder notwendig. Warum nicht komplett im Vogelsberg, da haben wir ja schon eine sehr große Dichte solcher Anlagen.
Deshalb mein Aufruf an alle Verantwortlichen: Seid konsequent, entvölkert endlich den Vogelsberg vollständig, die Bevölkerung ist ohnehin seit Jahren rückläufig und dieser Trend setzt sich fort, warum also nicht beschleunigen? Reißt die Dörfer und Städtchen ab, dann müssen auch keine Mindestabstände mehr eingehalten werden und die paar Unverbesserlichen, die einfach nicht wegziehen wollen, können sich ja ein wenig um die Pflege der sich möglicherweise regenerierenden Restnatur und der für die Wartung der Anlagen erforderlichen Infrastruktur kümmern. Damit hätten sie wenigstens ein Auskommen! Alle „Umzugswilligen“ werden in schönen Wohnanlagen in der Peripherie der Ballungsräume angesiedelt, finden dort wohnortnah attraktive Arbeitsplätze, was den zeitraubenden, unwirtschaftlichen und die Umwelt belastenden Berufspendelverkehr überflüssig macht. Zudem ist dann endlich Schluss mit dem ewigen Genörgel der Vogelsberger wegen der Grundwasserabsenkung und der fortwährenden Verschandelung der Landschaft.

Wandelt den Naturpark Vogelsberg in einen Windpark um und alle sind glücklich und zufrieden! Oder?

Welche Alternative gibt es denn? Vielleicht sollten wir alle nicht nur immer darüber nachdenken und es vollmundig propagieren, sondern es tatsächlich in Angriff nehmen, bewusster mit Energieressourcen umzugehen und wirklich Energie einzusparen. Das TV-Gerät muss nicht den ganzen Tag flimmern, es muss nicht jeden Tag der Staub gesaugt werden, nicht jede Fertigungsanlage muss voll automatisiert laufen und vielleicht kann man dann auch nachts in den Großstädten wieder einmal die Sterne sehen. Welch eine absurde Vorstellung!

Karl Heinz Hartmann
Kolpingstraße 17
35305 Grünberg-Weickartshain

 

Leserbrief zum geplanten Windpark in Grünberg Laubach auf:

WWW.HESSENMAGAZIN.DE

 

Gießener Allgemeine vom 18.07.2013

Der Leserbrief kann in besserer Qualität hier runtergeladen werden:

Wo Windräder stehen, kann der Nikolaus nicht landen (Seite 1)

Wo Windräder stehen, kann der Nikolaus nicht landen (Seite 2)

 

Gießener Allgemeine vom ??????

 

 

 

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